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Nr. 20 |
Weihnachtspfarrbrief |
10. 12. 2011 |
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Eine
Botschaft ... Das
Heilige Land gilt als das fünfte Evangelium. Was ist die Botschaft dieses
Landes, durch das heute eine Mauer geht und das nicht wirklich zur Ruhe
kommt? Die
heiligen Stätten, die Berge von Judäa und der See Genezareth sagen uns, unser
Glaube ist nicht eine abstrakte Philosophie oder eine Ideologie, sondern hat
etwas mit ganz konkreten Orten in dieser Welt zu tun. Nirgendwo auf der Welt
wird man deutlicher mit der Aussage konfrontiert, dass Gott in dieser Welt
Wunderbares wirkt, als in Bethlehem, dem Ort der Geburt des Gottessohnes und
in Jerusalem, der Stadt seines Todes und seiner Auferstehung. Wir stehen vor
dem Urwunder, dass Gott Zeit und Raum dieser Welt leibhaftig betritt. Er
betritt diese Welt, auch wenn sie unvollkommen und friedlos ist. Wir
können im wahrsten Sinn des Wortes, im Heiligen Land die Wege gehen, die
Jesus gegangen ist: am Ufer des Sees, nach Kapharnaum,
nach Nazareth, auf den Ölberg, die Via Dolorosa und
wieder nach Galiläa. Wir sehen all die Schönheit und all die Probleme dieses
Landes. Für mich bedeutet das, wir sollen und dürfen die Wege Jesu im
wirklichen Leben gehen und zwar nicht nur in Israel, sondern an jedem Ort,
wohin wir zurückkehren. Denn dort gibt es auch all das, was die Orte in
Israel bedeuten: Arbeit, Heimat, Ängste, Tod und Trauer, aber auch Freude,
Gemeinschaft und neues Leben. Der Weg Jesu findet in unserem wirklichen Leben
statt, in unserem Tun und Handeln. Wenn wir das begreifen und damit anfangen,
dann beginnt die Menschwerdung Gottes bei uns. Dann beginnt Weihnachten
heute. Dass
dies zur Freude aller gelingen möge, das wünschen allen das Pastoralteam,
alle Räte, alle Mitarbeiter und die Israelpilger 2011. Israel-Reise 2011 |
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Natürlich
könnte ich alle Stationen und Sehenswürdigkeiten aufzählen, die die 26 Mitglieder
der Pilgergruppe besucht haben. Ich würde dann von den touristischen Höhepunkten
berichten, vom Baden im Toten Meer oder der Bootsfahrt auf dem See
Genezareth. Empfehlungen für Unterkünfte und Reisebüros wären möglich. All
das lässt sich aber in Reiseführern nachlesen. Natürlich, die schönen Begegnungen mit anderen Trierer Pilgergruppen und dem Trierer Konzertchor in Jerusalem stehen nicht in einem Reiseführer. Aber auch das war ja nicht das eigentliche Ziel dieser Reise. Es sollte eine Pilgerreise sein. Eine Pilgerreise hat nicht einfach einen Ort oder eine Veranstaltung als Ziel, sondern sie will mehr. Eine Pilgerreise will auch eine geistliche Reise sein. Anlass war das 100jährige Bestehen der Pfarrei
Heiligkreuz. Der viel ältere Name der Kapelle soll auf die Erzählung
zurückgehen, dass die Kaiserin Helena neben dem Heiligen Rock Teile des
heiligen Kreuzes nach Trier gebracht haben soll. Da wir auf die große Heilig-Rock-Wallfahrt
2012 zugehen, lag es nahe, auf den Spuren der heiligen Helena den fünf
Schritten der Erlösung zu folgen, die auf die Heilig-Rock-Wallfahrt
vorbereiten. Die fünf Schritte der Erlösung stammen ursprünglich
aus der Emmaus-Geschichte. Aber sie ließen sich auf
der Israel Reise auch bestimmten Orten zuordnen. Dasein Dasein war das Thema des Gottesdienstes, den wir in der Helena
Kapelle der Geburtskirche in Bethlehem gefeiert haben. Erlöst ist, wer
einfach nur da sein kann. Wie das Kind in der Krippe. Nichts leisten müssen, sondern einfach nur da sein und darauf vertrauen,
dass da jemand ist, der einen im Blick hat und sorgt. Erlösung beginnt, wenn
wir alle noch so wichtige Geschäftigkeit einmal ruhen lassen. Wenn wir
einfach mal anhalten und nur vor Gott da sind. Ein Pilger lässt immer den
Alltag zurück, um vor Gott da zu sein. Ohnmacht Erlösung beginnt, wenn wir Ohnmacht zulassen.
Wenn wir aufhören gegen Windmühlen zu kämpfen. Wir können nicht alles regeln.
Aber wir müssen es auch nicht. Der Herr selbst gibt das Zeichen, dass er
Ohnmacht zulässt. Am Ölberg, als er über Jerusalem weint, am Kreuz. Das war unser Gottesdienst in der Kapelle Dominus flevit (Der Herr weint)
mit Blick durch das Kirchenfenster auf das zerrissene Jerusalem. |
Zuspruch In Israel nennen sie die Grabeskirche Auferstehungskirche.
Der Ort von Golgatha und des Grabes ist eben auch der Ort der Auferstehung.
Nach aller Ohnmacht gibt es ein neues Leben und einen neuen Anfang. Kein Ort
der Welt kann das deutlicher sagen als diese Kirche. Zwei Stockwerke unter
der Kirche zeigt man auch den Ort, von wo aus Helena das Kreuz als Siegeszeichen
erhoben hat. Lebendigkeit Wie kann man nach dem Zuspruch Lebendigkeit erfahren? Jesus ließ
seine Jünger das neue Leben erfahren, indem er sie an eine alte Geschichte
erinnert hat. Nach der Auferstehung sagt er ihnen noch einmal: „Werft das
Netz auf der anderen Bootsseite aus.“ Und die Jünger erinnern sich, dass sie
das mit ihm schon einmal erlebt haben. Erlösung beginnt da, wo wir uns erinnern, dass Gott uns immer
wieder nach aller Ohnmacht neue Anfänge ermöglicht hat. Der richtige Ort für
diese Besinnung war ein Gottesdienst am Ufer des Sees Genezareth. Hoffnung Wann wächst die Hoffnung? Hoffnung wächst da,
wo Menschen von einer positiven Erfahrung erzählen und dann im Gespräch
entdecken, dass andere die gleich gute Erfahrung gemacht haben. Hoffnung wächst da, wo Menschen sich zusammenschließen.
Ein biblisches Bild dafür ist, dass Jesus in der höchsten Not am Kreuz Maria
seinem Jünger anvertraut und den Jünger seiner Mutter. Auf dem Berg Karmel haben wir dieses Zukunft weisende Evangelium gehört.
Hoffnung wächst da, wo Menschen sich aus ihrer Erfahrung heraus gegenseitig
bestärken. Ich bin überzeugt, wenn es den Christen gelingt,
ihre guten Erfahrungen in Worte zu fassen und sich darüber auszutauschen,
dann wachsen Hoffnung, Glaube und Liebe zu den Menschen auf gleiche Weise. Für mich war die Reise ein Gewinn. Ich bin
froh diese fünf Schritte bedacht zu haben. Ich kann nur einladen, dieser
Pilgerreise der fünf Schritte zu folgen. Der Weg der Erlösung ist überall
möglich. Mit frohem Gruß Pfarrer Georg Goeres |
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Anonyme und
andere Christen Das waren noch Zeiten, als in der Christenheit
die Gewißheit herrschte, der eigene Glaube sei „alleinseligmachend". Man muß
dabei nicht gleich an Religionskriege und Kreuzzüge, Zwangsmissionierung und
Inquisition denken. Das sind unbestritten die dunklen Seiten einer für die
Menschheit sonst ungemein fruchtbaren Geschichte des Christentums. Zu jeder
Hochkultur und Weltreligion, zu jeder Weltmacht, auch zu den aufgeklärten
Anhängern einer universalen Toleranz gehört die Überzeugung, man besitze in
dem eigenen Glaubensgut eine überlegene Anleitung, zu Wahrheit und Heil zu
gelangen. Damit kann man es, wie nicht nur die
Kirchengeschichte lehrt, auch übertreiben. Gleichwohl war es jahrhundertelang unumstößliche Lehre der einen
Christenheit, daß es „außerhalb der Kirche kein
Heil" gebe. Sie war gleichsam die Verfassungsgrundlage europäischer
Völker und Reiche, gegründet auf den Glauben, daß
Jesus Christus, Gründer des Christentums und Stifter der Kirche, als Sohn
Gottes und Offenbarung des Höchsten der wahre Herrscher der Welt sei. Mehr –
„zu Weihnachten" - Mensch geworden und somit in einem Menschen, Jesus
von Nazareth, die Herrlichkeit Gottes erschienen sei. Mehr geht nicht. Mehr
kann nicht einmal gedacht werden, als daß
Menschliches göttlich ist und so jede einzelne Person auf Erden eine uneinschränkbare Würde hat. Als die fremden Kontinente in Europa bekannter wurden, drängte sich die Frage auf, was denn mit den Menschen fern von Christus und seiner Frohen Botschaft sei - also mit dem größten Teil der Menschheit. Wie war es mit ihrem Heil bestellt, das nach christlichem Glauben nicht bloße Vertröstung für das Jenseits ist, sondern „hier" beginnt? Im 20. Jahrhundert, in dem Europa in den Abgrund seiner eigenen Verdammnis geblickt hatte, reichte zu einer Antwort nicht mehr die überhebliche, zugleich ratlose und grausame Ausgrenzung der „anderen". Die katholischen Bischöfe des 2. Vatikanischen Konzils nahmen dieses Problem auf und verhalfen einer fast verschütteten, doch stets gültigen Lehre wieder zur Geltung: „Daß Jesus Christus als Sohn Gottes für alle Menschen und um ihres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist", wie es seit Urzeiten im Glaubensbekenntnis heißt. Gegenüber den nichtchristlichen Religionen stellten die Kirchenführer fest, daß „allen Menschen die göttliche Berufung zum ewigen Heil in einer Gott bekannten Weise angeboten ist". Wie revolutionär das war, ermißt man bei der Überlegung, daß solch eine Erklärung dem Islam für den Rest der Menschheit außerhalb des muslimischen Paradieses noch bevorsteht. Weltpolitisch wären solche Einsichten unter den muslimischen Religionsführern bedeutsam und außerordentlich entspannend. Der Kirchenvater Augustinus hatte in dem Dilemma zwischen erlösten
Christen und der „Masse der Verdammten" von „latenten Heiligen"
gesprochen. Karl Rahner nannte jene Menschen
außerhalb des bestimmbar Christlichen „anonyme Christen". Ein anderer
großer katholischer Theologen, Hans Urs von Balthasar, war sich aber gar
nicht sicher, daß aufrechte Nichtchristen so anonym
vereinnahmt werden wollten. Noch mehr jedoch fürchtete von Balthasar, daß die Christen selbst „anonym" würden; daß sie mehr und mehr bei solch
wohlmeinender Gleichmacherei ihre Identität vergessen und verleugnen würden.
Christen haben sich seit geraumer Zeit einreden lassen, daß
die dunklen Seiten der europäischen Geschichte, auch die umstrittenen
Kapitel der Kirchenhistorie, allein auf ihr Konto gehen. Sie ließen sich
demütig von den Errungenschaften der Aufklärung beeindrucken und hörten beschämt,
daß die Heiligen Schriften der Bibel es mit den Erkenntnissen
der Naturwissenschaften nicht aufnehmen könnten. Schon kann man allen Ernstes
behaupten, daß der fortschrittliche Geist der
Moderne, daß eigentlich alles Gute So ist es weithin in europäischen Gesellschaften gekommen. Man kann sich als alles mögliche outen, aber sich als Christ, als christlicher Politiker zu präsentieren, sollte man besser unter modernen Zeitgenossen lassen. Es ist einfach nicht chic und weckt den Verdacht, man hänge zu sehr an scheinbar überholten Glaubenssätzen und offenbar verklemmten Moralprinzipien. des angenehmen, selbstbestimmten Lebens gegen das Christentum und die Kirchen erstritten worden sei. Da gebietet es den Christen der Selbstrespekt, aus ihrer selbstverschuldeten oder aufgeschwatzten Anonymität herauszutreten und den Begriff des Christlichen wieder mit Inhalt und Leben zu erfüllen. Was das ist, das Christliche? Im Alltag? In der Politik? Vielleicht wollen das viele in der pluralistischen, wie ein Pudding wackelnden Gesellschaft wieder wissen. Also: Heraus mit der Sprache! |
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von systemhaus-trier